Es gibt viele Sportvereine, aber nur einen wie der MTV Wittenberg.

Ernst Lausch war Wittenbergs Turnvater
Hätte das Turnen eine stark lebensverlängernde Wirkung, so wäre der Gründer und erste Vorsitzende des Wittenberger Männerturnvereins 1862, bei dem ab 1899 auch Frauen turnen durften, in diesem Jahr 180 geworden. Auf Grund eines Lungenleidens starb Ernst Lausch jedoch bereits mit 52 Jahren.

Sein Wirken zu Lebzeiten war immerhin so bedeutungsvoll, dass seit einigen Jahren eine Gedenktafel an der 1865 erbauten Turnhalle in der Pfaffengasse an ihn erinnert.

Geboren wurde Ernst Lausch am 17. Juni 1836 in Friedersdorf bei Bitterfeld als Sohn eines Hüfners und Anspänners. Nach seiner Schulausbildung studierte Lausch in Weißenfels und erhielt nach dem Studium zunächst eine Anstellung am Waisenhaus in Zeitz.

1858 kam er nach Wittenberg und arbeitete als Lehrer an der ersten Bürgerschule und gab das „Schulblatt der Provinz Sachsen“ heraus. 1862 gründete er den Turnverein und vertrat diesen im August 1863 auf dem Deutschen Turnfest in Leipzig. 1866 übergab er den Vereinsvorsitz an seinen Stellvertreter.

Sowohl sein Lehrerberuf als auch seine ehrenamtliche Betätigung im Turnverein schlug sich in einer Reihe von Veröffentlichungen nieder. Großen Erfolg hatte er mit seinem „Buch der schönsten Kinder- und Volksmärchen, Sagen und Schwänke“, das 40 Auflagen erreichte, sowie mit seinem Rätselbuch „Der kleine Nussknacker. Ein illustriertes Rätselbuch in zwei Sammlungen“.

Dieses letztgenannte Büchlein erschien 1883 im Wittenberger Verlag Herrose und wurde von Schulze & Co in Gräfenhainichen gedruckt.

Am Ende des Vorworts, das Lausch zu Neujahr 1883 verfasste, bat der Autor höflich und ausdrucksstark um Unterstützung: „Dürfen wir annehmen, daß vorliegende Gabe vielen willkommen sein wird, so halten wir sie darum doch noch nicht für ganz vollkommen, glauben aber, daß sie durch freundliche Mithülfe [sic!] vieler bei etwaigen neuen Auflagen den denkbar höchsten Grad von Vollkommenheit erreichen kann, wenn man auf die Gestaltung des Buches bezügliche Wünsche gütigst der Verlagshandlung (R. Herrose-Wittenberg) einsendet, was zu thun wir hiermit höflich bitten.“

Die oben bereits erwähnte Damenabteilung im Wittenberger Männer-Turnverein, die am 15. März 1899 ins Leben gerufen wurde, wurde von der Turnlehrerin „Fräulein“ A . Lausch geleitet, einer Tochter von Ernst Lausch

Die Damen turnten einmal die Woche, jeweils abends von 20.30 Uhr bis 22 Uhr. Mit dem Anfertigen einer Vereinsfahne hatten einige Wittenberger „Frauen und Jungfrauen“ den Turnverein bereits ein Jahr nach der Gründung unterstützt, wie aus der „Festschrift zur 50-jährigen Jubelfeier am 8. – 10. Juni 1912“ hervorgeht. (mz)

– Quelle: http://www.mz-web.de/25364840 ©2017 (Mathias Tietke)

Ernst Lausch
(1836  – † 1888)